Nancy Wilting und Yilmaz Erenler von Kurve Kriegen beim Vortrag.

Im Rahmen des Kooperationsprojektes „Uni-meets-Practice“ haben meine Kollegin Nancy Wilting und ich (Yilmaz Erenler) im letzten Sommersemester „Kurve kriegen“ an der Universität Duisburg- Essen – meiner Alma Mater- vorgestellt. 

"Alma Mater" ist ein lateinischer Ausdruck, der wörtlich übersetzt "nährende Mutter" bedeutet. Im übertragenen Sinne wird er als Bezeichnung für die Universität oder Hochschule verwendet, an der man studiert hat oder lehrt. Die Bedeutung von "Alma Mater" im Kontext der Universität ist eng mit der Vorstellung verbunden, dass die Hochschule die Studierenden mit Wissen und Bildung versorgt, ähnlich wie eine Mutter ihre Kinder nährt. Im heutigen Sprachgebrauch ist "Alma Mater" ein gängiger Begriff, um die eigene Universität oder Hochschule zu bezeichnen, und wird oft mit einem Gefühl der Verbundenheit und des Stolzes auf die akademische Heimat verbunden.

Mitarbeiter:innen des Jugendamtes der Stadt Essen vermitteln im Programm  „Uni meets practice“ bereits seit 2008 den Studierenden der Sozialen Arbeit an der Uni DUE wichtige Kompetenzen aus der Praxis für ihr späteres Berufsleben. 

Das Studium Soziale Arbeit wird in Deutschland überwiegend an Fachhochschulen angeboten. Diese haben häufig direkt einen praktischen Bezug, es gibt auch Duale Studiengänge, die direkt in die Praxis integriert sind. Bei der Uni DUE handelt es sich um eine Hochschule mit eher theoretischen und wissenschaftlichen Schwerpunkten. Über „Uni meets practice“ werden diese Schwerpunkte ergänzt und mittels einer Kooperationsvereinbarung mit der Stadt Essen direkt an den Anforderungen der Praxis ausgerichtet. Das geht von kurzen Einblicken in die Praxis, über länger laufende Praktika bis hin zu einem offiziellen Traineekonzepts des Jugendamts, welches sich an Absolvent:innen des Studiengangs Bachelor Soziale Arbeit richtet. So profitieren sowohl die Stadt, als auch die Universität von „Uni meets practice“. Zum einen werden Praxis und Theorie effektiv verknüpft, zum anderen können (angehende) Fachkräfte gewonnen und vermittelt werden. 

Auch das Modul „Überblick über die Arbeitsfelder der Sozialen Arbeit“ ist an das Projekt angegliedert. In diesem Modul stellen Praktiker:innen (häufig Alumni der Uni DUE) ihr Arbeitsfeld vor. Bereits im letzten Jahr wurde ich von der Managerin des Studiengangs, Frau Sabine Beck, gefragt, ob ich Interesse hätte „Kurve kriegen“ vorzustellen. Wir mussten nicht lange überlegen. Gerade in Hinblick auf die lange und komplexe Geschichte der Kooperation zwischen Sozialer Arbeit und Polizei wollten wir die Arbeit der Initiative gerne angehenden Fachkräften vorstellen – um zu informieren, aber auch um kritisch zu diskutieren und eventuelle Vorbehalte abzubauen. 

Gewappnet mit einem Fragenkatalog, den die Studierenden zuvor erstellt haben, einer informativen Power-Point Präsentation und dem „Kurve kriegen“ Film haben wir uns also auf den Weg zu „meiner“ Universität gemacht. Dort wurden wir von Frau Rosic begrüßt. Sie und ihre Kollegin Frau Kalms sind routinierte Sozialarbeiterinnen, die aufgrund ihres beruflichen Werdegangs in unterschiedlichen Bereichen des Jugendamts über einen breiten Fundus an praktischer Erfahrung verfügen. Momentan sind die beiden zuständig für „Uni meets practice“ und vermitteln einen Teil ihrer Erfahrung. Dank ihrer Einladung haben wir 25 interessierten angehenden Sozialarbeiter:innen einen Überblick über die Arbeit der Initiative geben können – inklusive aktuellen Zahlen, Daten und Fakten. 

Campus Universität Duisburg-Essen

In der abschließenden Fragerunde kristallisierten sich einige, für die Studierenden besonders interessante Themen heraus. Ein Schwerpunkt wurde auf die Zusammensetzung der Zielgruppe gelegt. Den Studierenden fiel direkt der geringe Anteil weiblicher Teilnehmerinnen im Kreis Recklinghausen auf. Wir konnten uns angeregt über mögliche Gründe austauschen – von Zusammensetzung des Fachkräfteteams, bis hin zu soziologischen und kriminologischen Theorien über Jugendkriminalität bei Mädchen. Auch über Möglichkeiten und Grenzen, die die freiwillige Teilnahme mit sich bringt, wurde gesprochen – wie bei der Frage, welche Chancen „Kurve kriegen“, aber auch allgemein Soziale Arbeit in verfestigten Strukturen, wie beispielsweise der „Clankriminalität“ hat.

Die Studierenden waren besonders angetan von der „Sonderrolle“ der pädagogischen Fachkräfte die, im Gegensatz zu Jugendamt und Polizei, nicht sanktionierend auftreten müssen und sich dementsprechend mehr auf die Beziehungsarbeit mit den Teilnehmenden konzentrieren können. Auch zu möglichen Spannungsfeldern zwischen Polizei und Sozialer Arbeit gab es interessierte Nachfragen. Eine Studierende fragte nach möglichen Gefahren und Bedrohungen für die pädagogischen Fachkräfte, stellte aber direkt die These auf, dass sich der Frust unserer Teilnehmer - eben durch unsere „Sonderrolle“ - wahrscheinlich eher selten gegen uns richtet. Angetan waren die Studierenden auch von der Tatsache, dass die pädagogischen Fachkräfte nicht dem Legalitätsprinzip unterliegen und dementsprechend ein stabiles und belastbares Vertrauensverhältnis in der Arbeit aufgebaut werden kann. 

Fazit für uns: Großes Interesse auf Seiten der Studierenden verbunden mit Lob für unsere Arbeit und vielleicht gibt es ja in einigen Jahren Bewerbungen von interessierten Absolvent:innen.