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Im Mai hatte ich die Möglichkeit, im Rahmen einer OSZE (Organisation für Sicherheit und Zusammenarbeit in Europa) -Fachkräfteinitiative nach Usbekistan zu reisen. Die Delegationsreise wurde durch die OSZE organisiert und hatte das Ziel, die kriminalpräventive Arbeit des Landes Nordrhein-Westfalen anhand der Initiative Kurve kriegen vorzustellen und Impulse für die Prävention von Jugendkriminalität im zentralasiatischen Raum zu setzen.
In Taschkent, der Hauptstadt Usbekistans, fanden Workshops und Vorträge statt, in denen ich das Programm Kurve kriegen im Detail vorgestellt und gemeinsam mit den Teilnehmerinnen und Teilnehmern diskutiert habe. Über 20 Fachkräfte aus Usbekistan, Kasachstan, Kirgistan und Tadschikistan nahmen an der Veranstaltung teil – allesamt begleitet von sogenannten „Ground Officers“ der OSZE, die in ihren Ländern für die Umsetzung von Reformprojekten in der inneren Sicherheit zuständig sind.
Eröffnet wurde das zweitägige Fachprogramm von der deutschen Botschafterin in Usbekistan, Rebecca Dovergne, die die Bedeutung internationaler Zusammenarbeit in der Gewalt- und Kriminalprävention hervorhob. Bereits dieser Auftakt unterstrich die Relevanz des Themas – und der Austausch, der im Anschluss folgte, wurde diesem Anspruch mehr als gerecht.
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In insgesamt drei Vorträgen stellte ich das Programm Kurve kriegen umfassend vor. Dabei ging es 1. um den strukturellen Aufbau, 2. um die enge Kooperation zwischen Polizei und Pädagogik, sowie 3. ganz zentral um die Rolle und Haltung der pädagogischen Fachkraft.
Wie arbeiten wir mit straffällig gewordenen Kindern und Jugendlichen? Welche Grundhaltungen leiten unser Handeln? Wie schaffen wir es, Vertrauen aufzubauen, Beziehungen zu stabilisieren und junge Menschen zu motivieren, neue Wege zu gehen?
All diese Fragen standen im Zentrum der inhaltlichen Auseinandersetzung der Teilnehmerinnen und Teilnehmern. Gemeinsam arbeiteten wir an fiktiven Fallverläufen und setzten uns mit der Priorisierung von Fällen sowie der Auswahl sinnvoller Maßnahmen auseinander. Dabei war auffällig, wie engagiert, offen und wissbegierig die Teilnehmenden aus den verschiedenen Ländern agierten. Es wurde intensiv diskutiert, viele Fragen gestellt und immer wieder der Versuch unternommen, die vorgestellten Konzepte auf die jeweiligen nationalen Kontexte zu übertragen. Auch eine Möglichkeit sein eigenes Handeln erneut zu reflektieren und sich mit den Gedanken der Kolleginnen und Kollegen auseinander zu setzen.
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Was mich besonders beeindruckt hat, war die Dynamik unter den Delegationen selbst: Der Austausch verlief nicht nur zwischen uns und den Teilnehmenden, sondern auch zwischen den zentralasiatischen Ländern – offen, kollegial und mit echtem Interesse am gegenseitigen Lernen. Es war spürbar, dass alle Beteiligten nicht nur gekommen waren, um zuzuhören, sondern um miteinander zu arbeiten. Im Laufe der Veranstaltung kam es zu ersten konkreten Verabredungen für zukünftige Hospitationen in den jeweiligen Ländern. Gegenseitige Einladungen wurden ausgesprochen und erste gemeinsame Ideen zur Weiterentwicklung der kriminalpräventiven Arbeit in Zentralasien wurden angestoßen. Alles orientiert an der Arbeit von Kurve kriegen.
Dass ein solch konstruktiver und offener Austausch zwischen verschiedenen Ländern und Kulturen nicht selbstverständlich ist, wurde immer wieder betont – umso erfreulicher war es zu sehen, wie viel gegenseitige Wertschätzung und Neugier in der Runde herrschte.
Die Reise hat eindrucksvoll gezeigt: Kurve kriegen ist eine Initiative, die über die deutschen Landesgrenzen hinaus Relevanz besitzt. Die Kombination aus frühzeitiger Intervention, enger polizeilich-pädagogischer Kooperation und einem klaren pädagogischen Wertekompass wurde von den Teilnehmenden als innovativ und wirkungsvoll wahrgenommen. Gleichzeitig konnten auch wir wichtige Eindrücke aus dem zentralasiatischen Raum mitnehmen – insbesondere in Bezug auf die gesellschaftliche Stellung von Polizei, Familie und Bildung in der Arbeit mit jungen Menschen.
Ich bin dankbar für diese Erfahrung und überzeugt: Solche internationalen Begegnungen sind kein Selbstzweck, sondern ein echter Mehrwert – für beide Seiten. Denn Kriminalprävention kennt keine nationalen Grenzen. Sie lebt vom Austausch, vom Lernen miteinander und voneinander.